Blindheit gegenüber dem Schicksal :Ödipus ist dazu bestimmt, eine Prophezeiung zu erfüllen, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird, wie vom Orakel vorhergesagt. Er ist sich dieses Schicksals und seiner Rolle in der Prophezeiung jedoch nicht bewusst.
Mangel an Selbstreflexion :Ödipus zeichnet sich oft durch seine Sturheit und seinen Stolz aus, die ihn daran hindern, sein eigenes Handeln kritisch zu reflektieren. Er neigt dazu, Informationen abzutun oder zu übersehen, die seinen Überzeugungen widersprechen.
Selektives Gedächtnis :Ödipus‘ Geist scheint sich selektiv an bestimmte Ereignisse zu erinnern oder diese zu vergessen, um seinem Verständnis der Realität zu entsprechen. Möglicherweise hat er die Einzelheiten der Begegnung auf dem Weg nach Theben unbewusst unterdrückt, um der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen.
Verlangen nach Rache :In seinem Streben nach Gerechtigkeit und der Suche nach der Wahrheit über den Mord an Laios war Ödipus möglicherweise eher von Rachegelüsten erfüllt als von der Suche nach einem vollständigen Bild. Sein Fokus könnte sich verengt haben, was ihn daran hindert, logische Zusammenhänge herzustellen.
Manipulation durch andere :Bestimmte Personen wie Tiresias versuchen, Ödipus die Wahrheit zu offenbaren, aber ihre Warnungen werden aufgrund äußerer Manipulationen oft verdeckt, missverstanden oder ignoriert.
Dramatische Ironie :Ödipus‘ Unfähigkeit, den Zusammenhang zu erkennen, dient im Stück auch als dramatisches Mittel. Das Publikum wird Zeuge der Tragödie, die sich entfaltet, während Ödipus‘ Taten unwissentlich die Wahrheit ans Licht bringen, die er erst im entscheidenden Moment der Erkenntnis erkennt.
Diese Faktoren tragen gemeinsam dazu bei, dass Ödipus den Zusammenhang zwischen den Ereignissen und der Rolle, die er bei der Erfüllung der Prophezeiung spielte, nicht erkennen konnte.