1. Geschlechtsspezifische Unterschiede im moralischen Denken: Gilligan stellte die vorherrschenden Theorien der moralischen Entwicklung in Frage, wie etwa Kohlbergs Theorie, die hauptsächlich auf Studien an männlichen Probanden beruhten. Sie argumentierte, dass sich die moralische Argumentation von Frauen häufig von der von Männern unterscheide und von bestehenden Rahmenwerken nicht angemessen erfasst werden könne.
2. Die „andere Stimme“ der Frauen: Gilligan schlug vor, dass das moralische Denken von Frauen oft mehr Wert auf Beziehungen, Fürsorge und Verantwortung gegenüber anderen legt als auf abstrakte Prinzipien und Gerechtigkeit. Sie bezeichnete dies als die „andere Stimme“ von Frauen bei der moralischen Entscheidungsfindung.
3. Die Ethik der Pflege: Gilligan führte das Konzept der Ethik der Fürsorge als zentralen Bestandteil der moralischen Entwicklung ein. Die Ethik der Pflege konzentriert sich auf die Bedeutung der Fürsorge für andere, der Pflege von Beziehungen und der Aufrechterhaltung sozialer Verbindungen als grundlegende moralische Prinzipien.
4. Kritik an Kohlbergs Theorie: Gilligan kritisierte Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung wegen ihrer Betonung universeller moralischer Prinzipien und ihrer Vernachlässigung der kontextuellen und relationalen Aspekte der Moral. Sie argumentierte, dass Kohlbergs Theorie auf männliche Perspektiven ausgerichtet sei und die Bedeutung von Sorgfalt und Verantwortung bei der moralischen Entscheidungsfindung übersehe.
5. Der Just-Community-Ansatz: Gilligans Forschung führte dazu, dass sie einen alternativen Ansatz zur moralischen Entwicklung vorschlug, der die Bedeutung der Schaffung gerechter Gemeinschaften betont. Sie argumentierte, dass moralisches Wachstum die Förderung von Beziehungen beinhaltet, die auf Gleichheit, Respekt und der Fähigkeit basieren, Konflikte durch Dialog und Zusammenarbeit zu lösen.
6. Auswirkungen auf feministische Ethik und Psychologie: Gilligans Arbeit hat die feministische Ethik, Psychologie und Geschlechterforschung maßgeblich beeinflusst. Es stellte traditionelle Vorstellungen von Moral in Frage und erweiterte das Verständnis der moralischen Entwicklung um Perspektiven, die Beziehungen, Fürsorge und gegenseitige Abhängigkeit wertschätzen.
Gilligans Forschung wurde dafür kritisiert, dass sie sich eher auf Geschlechterunterschiede als auf individuelle Unterschiede innerhalb von Geschlechtergruppen konzentriert. Ihr Schwerpunkt auf der Ethik der Fürsorge und der Bedeutung von Beziehungen für die moralische Entwicklung hat jedoch neue Erkenntnisse geliefert und unser Verständnis von moralischem Denken und Entscheidungsfindung erweitert.