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Wie würde J. Alfred Prufrock als tragischer Held gelten?

Während T. S. Eliots „The Love Song of J. Alfred Prufrock“ ein bekanntes und gefeiertes Gedicht ist, passt sein Protagonist, J. Alfred Prufrock, nicht zur traditionellen Definition eines tragischen Helden, wie sie in Aristoteles‘ „Poetics“ dargelegt wird.

Der tragische Held von Aristoteles ist typischerweise ein komplexer und moralisch zweideutiger Charakter, der aufgrund einer Kombination seiner eigenen Fehler und Umstände einen Untergang erlebt und schließlich ein unglückliches Schicksal erleidet.

Prufrock hingegen erfährt im Gedicht weder eine nennenswerte Wendung des Schicksals noch einen drohenden Untergang. Stattdessen wird er als introspektiver und selbstbewusster Mensch dargestellt, der mit inneren Ängsten, Zweifeln und Befürchtungen kämpft, die ihn daran hindern, sich voll auf das Leben einzulassen und seine Wünsche auszudrücken.

Während Prufrocks Selbstbeobachtungen seine emotionale Tiefe und seinen inneren Konflikt offenbaren, folgt seine Reise nicht dem klassischen Verlauf eines tragischen Helden. Stattdessen untersucht das Gedicht seinen Zustand der Untätigkeit, seine Unfähigkeit, entscheidende Schritte zu unternehmen und seine Hemmungen zu überwinden, was ihn in einem Zustand ständiger Stasis zurücklässt.

Es ist jedoch erwähnenswert, dass das Gedicht keine eindeutige und endgültige Interpretation bietet und einige Leser möglicherweise Elemente finden, die mit dem Konzept der Tragödie in Einklang stehen. Beispielsweise könnte Prufrocks intensive Beschäftigung mit sozialen Normen und gesellschaftlichen Erwartungen als eine Form der selbst auferlegten Gefangenschaft angesehen werden, die ihn letztendlich daran hindert, persönliche Erfüllung und Glück zu erreichen.

Letztendlich mag J. Alfred Prufrock zwar bestimmte Merkmale aufweisen, die üblicherweise mit tragischen Helden in Verbindung gebracht werden, wie Selbstbeobachtung, innere Konflikte und die Unfähigkeit, entschlossen zu handeln, er verkörpert jedoch nicht vollständig das traditionelle Konzept eines tragischen Helden im aristotelischen Sinne.

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