* Herausfordernde religiöse Ikonographie: Ofili verwendet bewusst religiöse Bilder und Symbole, jedoch auf eine Weise, die traditionelle Darstellungen der Jungfrau Maria untergräbt. Er integriert Elemente wie Elefantenmist, der in vielen Kulturen als Tabu gilt, und setzt die Figur in eine provokante und sexuell anzügliche Pose. Dies stellt traditionelle religiöse Überzeugungen in Frage und löst eine Diskussion über die Natur des Glaubens und der Repräsentation aus.
* Rasse und Identität: Ofili ist ein schwarzer Künstler und seine Arbeit beschäftigt sich oft mit Themen wie Rasse und Identität. Die Jungfrau Maria wird in diesem Stück als schwarze Frau dargestellt, was als Rückgewinnung religiöser Bilder durch farbige Menschen angesehen werden kann. Dies stellt die überwiegend weiße Darstellung religiöser Figuren in der westlichen Kunst in Frage.
* Sexualität und Macht: Die Einbeziehung von Elefantenmist und die provokante Pose der Jungfrau Maria werden oft als Kommentar zum Verhältnis von Sexualität und Macht interpretiert. Einige argumentieren, dass Ofili die traditionelle Verbindung von Reinheit und Unschuld mit der Jungfrau Maria in Frage stellt und die komplexe und manchmal widersprüchliche Natur der weiblichen Sexualität hervorhebt.
* Die Rolle des Künstlers: Durch die Verwendung unkonventioneller Materialien und Techniken fordert Ofili traditionelle künstlerische Grenzen heraus. Er argumentiert, dass Kunst ein Raum zum Hinterfragen und Erforschen herausfordernder Themen sein sollte und dass sie nicht durch religiöse Dogmen oder gesellschaftliche Konventionen eingeschränkt werden sollte.
Es ist wichtig zu beachten, dass „Heilige Jungfrau Maria“ ein sehr subjektives Werk ist und von verschiedenen Betrachtern unterschiedlich interpretiert wird. Manche mögen es beleidigend oder respektlos finden, während andere es als eine kraftvolle und zum Nachdenken anregende Auseinandersetzung mit Glauben, Identität und Kunst betrachten. Letztlich bleibt das Thema des Werkes der Interpretation des Betrachters überlassen.