Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Shakespeare die Untreue nutzt, um das Thema der Untreue weiterzuentwickeln, ist das Stück „Othello“. Der Protagonist Othello ist ein edler und angesehener Soldat, der seiner Frau Desdemona zutiefst ergeben ist. Sein innerer Konflikt entsteht jedoch, als Jago, ein gerissener Bösewicht, Zweifel in Othellos Geist pflanzt und so Eifersucht und Misstrauen hervorruft. Othellos Unsicherheit und der Glaube an Desdemonas Untreue führten dazu, dass er eine tragische Tat beging, die letztendlich ihre Liebe und seinen eigenen Ruf zerstörte.
In diesem Konflikt betont Shakespeare die zerstörerische Kraft der Eifersucht und den Vertrauensverlust in einer Beziehung. Othellos Weg vom Verdacht zur Gewissheit spiegelt die Gefahren äußerer Kräfte wider, die Schwächen ausnutzen und Zweifel erzeugen, was zu verheerenden Folgen führt.
Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel dafür, dass Shakespeare Untreue zur thematischen Entwicklung einsetzt, ist in „Das Wintermärchen“ zu sehen. Hier erliegt König Leontes der Eifersucht, als er seine Frau Hermine der Untreue mit seinem engen Freund Polixenes verdächtigt. Leontes' unbegründeter Verdacht führt zur Entfremdung seiner Familie, zur Verbannung von Hermine und zum Verlust ihrer kleinen Tochter.
Shakespeare nutzt diesen Konflikt, um die Folgen vorschnellen Urteilsvermögens und die zersetzende Natur der Eifersucht zu untersuchen. Das erlösende Ende des Stücks, in dem Hermine mit ihrer Familie wiedervereint wird, betont die Kraft der Vergebung und Versöhnung und unterstreicht das Potenzial für Erneuerung auch nach dem Verrat.
In „Hamlet“ taucht Shakespeare in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext der Untreue ein, indem er die Korruption des Hofes und den moralischen Verfall im Königreich Dänemark schildert. Königin Gertrudes Heirat mit Claudius, dem Bruder ihres Mannes, wird als Akt des Verrats angesehen, der Hamlets existenzielle Krise und sein Verlangen nach Rache weiter anheizt.
Diese Untreue in der königlichen Familie symbolisiert ein größeres gesellschaftliches Unwohlsein und verleiht der Auseinandersetzung mit Themen wie Ehre, Täuschung und Pflicht im Stück eine zusätzliche Komplexität. Shakespeare enthüllt die Schattenseiten der menschlichen Natur und die Auswirkungen familiärer und gesellschaftlicher Untreue auf den Einzelnen.
Es ist wichtig anzumerken, dass Shakespeares Verwendung von Untreue auch die kulturellen Normen und gesellschaftlichen Erwartungen seiner Zeit widerspiegelt. Seine differenzierte Darstellung der Charaktere, ihrer inneren Konflikte und der Folgen gebrochener Loyalitäten offenbart jedoch ein zeitloses Verständnis der menschlichen Natur und der vielschichtigen Aspekte der Untreue. Indem er Untreue als zentralen Konflikt einsetzt, entschlüsselt Shakespeare die Komplexität von Beziehungen, Verrat und Erlösung und lädt das Publikum ein, über universelle Themen nachzudenken, die auch über die elisabethanische Ära hinaus nachwirken.