1. Fehlen von Konsonanz: Disharmonische Musik vermeidet oder minimiert oft die Verwendung traditioneller Konsonantenintervalle wie perfekter Intervalle (Unisono, Oktave), perfekter Quinten und Dur-/Moll-Terzen. Stattdessen werden dissonante Intervalle wie kleine Sekunden, große Septimen und Tritone betont, wodurch ein Gefühl von Spannung und Dissonanz in der Musik entsteht.
2. Unkonventionelle Akkordstrukturen: Disharmonische Musik verwendet oft ungewöhnliche oder ungelöste Akkorde, die von der typischen funktionalen Harmonie abweichen. Dies kann die Verwendung erweiterter Akkorde, hinzugefügter Töne, veränderter Akkorde oder Polychords beinhalten, die ein Gefühl von Instabilität und Mehrdeutigkeit erzeugen.
3. Cluster-Akkorde: Cluster-Akkorde, bei denen mehrere Noten ohne Rücksicht auf traditionelle Stimmführungsregeln gestapelt werden, sind ein häufiges Merkmal in disharmonischer Musik. Diese Cluster erzeugen dichte, dissonante Texturen, die von herkömmlichen harmonischen Strukturen abweichen.
4. Atonale Melodien: Disharmonische Musik enthält häufig atonale Melodielinien, denen ein klares tonales Zentrum oder eine hierarchische Organisation der Tonhöhen fehlt. Diese Melodien verwenden häufig Intervalle, die in tonaler Musik ungewöhnlich sind, wie z. B. übermäßige Sekunden oder verminderte Terzen, was zu einer dissonanten und unvorhersehbaren melodischen Kontur führt.
5. Erforschung von Mikrotönen: Manche disharmonische Musik wagt sich in den Bereich der Mikrotöne, das sind Tonhöhen, die zwischen den traditionellen zwölf Halbtönen der chromatischen Tonleiter liegen. Die Verwendung von Mikrotönen erweitert den Bereich der verfügbaren dissonanten Intervalle weiter und erzeugt einen einzigartigen und unverwechselbaren Klang.
6. Avantgardistische Techniken: Disharmonische Musik beinhaltet häufig verschiedene avantgardistische Techniken wie aleatorische Elemente, unkonventionelle Instrumentierung, erweiterte Instrumentaltechniken oder den Einsatz elektronischer Manipulationen. Diese Techniken tragen zum dissonanten und experimentellen Charakter der Musik bei.
Disharmonische Musik stellt herkömmliche Vorstellungen von Harmonie, Tonalität und melodischer Struktur in Frage und nutzt Dissonanz und Experimente, um neue Klangerlebnisse zu schaffen. Zu den Komponisten, die disharmonische Techniken anwenden, gehören Igor Strawinsky, Arnold Schönberg, John Cage, György Ligeti und viele zeitgenössische Komponisten, die neue Grenzen des musikalischen Ausdrucks erkunden.