Fiktive Elemente:
1. Carmens Charakter: Die Darstellung von Carmen als freigeistige, verführerische Frau, die sich gesellschaftlichen Konventionen widersetzt, ist größtenteils eine Schöpfung von Mérimée und Bizet. Ihre spezifischen Persönlichkeitsmerkmale und Handlungen, wie etwa ihre fatale Anziehungskraft auf Don José, sind fiktiv.
2. Don Josés Liebe: Don Josés intensive und obsessive Liebe zu Carmen, die zu seinem Untergang führt, ist für den Operneffekt eine dramatische Übertreibung. Die Novelle stellt ihre Beziehung pragmatischer dar.
3. Tragisches Ende: Der tragische Schluss, in dem Don José Carmen aus Eifersucht tötet, ist völlig frei erfunden. Die Novelle endet mit der Verurteilung Don Josés zu fünf Jahren Gefängnis.
4. Nebencharaktere: Die meisten Nebencharaktere wie Escamillo, Micaëla und Zuniga sind entweder fiktiv oder stark fiktionalisiert.
Sachliche Elemente:
1. Einstellung und Zeit: Die Novelle und die Oper spielen im frühen 19. Jahrhundert in Sevilla, Spanien. Diese historische Kulisse ist von Mérimées Reisen und Erlebnissen in Spanien inspiriert.
2. Militärischer Hintergrund: Mérimée stützte sich auf seine Beobachtungen des spanischen Militärlebens, um den Hintergrund der Oper zu schaffen. Don Josés Charakter basiert auf einem echten Soldaten, der zu Mérimées Zeit in Sevilla stationiert war.
3. Kulturelle Einflüsse: Die Oper spiegelt den Einfluss der spanischen Volksmusik und des spanischen Tanzes wider, die zu Bizets Zeiten beliebt waren. Die berühmte „Habanera“-Arie und andere musikalische Elemente sind stilisierte Versionen authentischer spanischer Melodien.
4. Historischer Kontext: Die Darstellung der Roma-Kultur in der Oper, einschließlich der Figur der Carmen, wurde von zeitgenössischen Vorstellungen und Stereotypen der damaligen Zeit beeinflusst, die Roma oft als exotisch, leidenschaftlich und unberechenbar darstellten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Carmen“ ein fiktionales Werk ist, das sich von realen Elementen wie dem spanischen Militärleben, der Roma-Kultur und andalusischer Musik inspirieren lässt. Die Geschichte und die Charakterentwicklung werden jedoch hauptsächlich für dramatische und opernhafte Zwecke fiktionalisiert.