Ein weiteres Beispiel dramatischer Ironie ist die Diskrepanz zwischen Caesars Selbstbewusstsein und seiner Verletzlichkeit. Caesar weist die Warnungen des Artemidorus vor drohender Gefahr bekanntlich zurück und erklärt:„Feiglinge sterben viele Male vor ihrem Tod; / Die Tapferen schmecken den Tod nur einmal.“ Das Publikum weiß jedoch, dass Cäsar kurz vor seinem Ende steht, und seine Prahlereien klingen hohl. Dieser Kontrast zwischen Caesars Wahrnehmung und Realität trägt zur dramatischen Wirkung seiner Ermordung bei.
Darüber hinaus fügt die Prophezeiung des Wahrsagers, der Cäsar warnte, „sich vor den Iden des März zu hüten“, eine weitere Ebene dramatischer Ironie hinzu. Während Caesar die Prophezeiung zunächst auf die leichte Schulter nimmt, weiß das Publikum um ihre bedrohliche Bedeutung. Dieses Wissen weckt im Verlauf des Stücks ein Gefühl der Vorahnung und Vorfreude und führt zu einer tragischen Erkenntnis, als die Iden des März eintreffen und Cäsar sein Schicksal trifft.
Insgesamt unterstreicht der Einsatz dramatischer Ironie in „Julius Caesar“ die Kluft zwischen den Wahrnehmungen der Charaktere und der tatsächlichen Wahrheit, verstärkt die emotionale Wirkung und bindet das Publikum in die sich abzeichnende Tragödie ein.