Eines der auffälligsten Merkmale von Dr. Sadao ist sein Pflichtbewusstsein und sein Patriotismus. Als japanischer Staatsbürger fühlt er sich verpflichtet, sein Land zu unterstützen und seiner Rolle als Chirurg gerecht zu werden. Er glaubt, dass es in seiner Verantwortung liegt, sich um den Krieg zu kümmern, auch wenn das bedeutet, die Feinde zu behandeln. Dieses Pflichtgefühl führt ihn oft dazu, Entscheidungen zu treffen, die ethisch fragwürdig erscheinen, wie etwa die Durchführung einer Operation an einem amerikanischen Kriegsgefangenen.
Andererseits verfügt Dr. Sadao auch über ein ausgeprägtes Mitgefühl und Einfühlungsvermögen. Er zögert, dem amerikanischen Gefangenen Schaden zuzufügen, den er eher als Menschen denn als Feind betrachtet. Er geht sogar so weit, sein eigenes Leben zu riskieren, um den Mann zu retten. Dieses Mitgefühl wurzelt in Dr. Sadaos persönlichen Überzeugungen und seinem Verständnis der moralischen Implikationen seiner Handlungen.
Im Verlauf der Geschichte steht Dr. Sadao vor immer schwierigeren Entscheidungen, die seinen moralischen Kompass auf die Probe stellen. Er muss entscheiden, ob er den amerikanischen Gefangenen weiter behandeln will, wohl wissend, dass dies seine Familie und sein eigenes Leben gefährden könnte. Er beschäftigt sich auch mit der Frage, ob es moralisch vertretbar ist, dem Feind zu helfen, auch wenn dies den Interessen seines Landes zuwiderläuft.
Anhand von Dr. Sadaos inneren Kämpfen und moralischen Dilemmata erkundet Pearl Buck die Komplexität der menschlichen Natur und die Schwierigkeit, in Kriegszeiten ethische Entscheidungen zu treffen. Dr. Sadao ist nicht nur ein tugendhafter oder bösartiger Charakter, sondern vielmehr ein vielseitiger Mensch, der vor unmöglichen Entscheidungen steht. Sein Charakter zeigt, dass die Grenze zwischen richtig und falsch in Extremsituationen verschwimmen kann und dass Mitgefühl und Pflicht manchmal im Widerspruch stehen können.