Das Problem mit „Loyalität“
* Mehrdeutige Motive: In Hamlet handeln Charaktere selten aus reiner Loyalität. Ihr Handeln wird oft von Eigennutz, Ehrgeiz, Liebe, Angst oder Pflichtgefühl bestimmt. Es ist schwer zu sagen, ob jemand wirklich „loyal“ ist oder sich einfach so verhält, dass es ihm nützt.
* Wechselnde Allianzen: Im Verlauf des Spiels ändern sich die Allianzen dramatisch. Freunde werden zu Feinden, und Feinde scheinen zu Freunden zu werden. Die Feststellung wahrer Loyalität wird nahezu unmöglich.
Mögliche Kandidaten für die Loyalität gegenüber Hamlet
Hier sind einige Charaktere, die als loyal gelten könnten, mit Vorbehalten:
* Horatio: Horatio ist Hamlets engster Freund. Er unterstützt ihn stets und scheint ernsthaft um Hamlets Wohlergehen besorgt zu sein. Allerdings zögert er auch, sich auf Hamlets Pläne einzulassen.
* Die Spieler: Die reisenden Schauspieler scheinen Hamlet wirklich zu mögen und bereit zu sein, ihm zu helfen. Sie kritisieren auch den Königshof und den Staat Dänemark.
* Ophelia: Ophelias Liebe zu Hamlet scheint echt. Allerdings wird sie auch stark von ihrem Vater und ihrem Bruder beeinflusst und ihr Handeln wird fragwürdig.
* Fortinbras: Obwohl Fortinbras Hamlet gegenüber nicht direkt loyal ist, repräsentiert er doch eine gegnerische Machtstruktur. Letztendlich gelingt es ihm, den dänischen Thron zu besteigen, was eine mögliche Alternative zur korrupten Herrschaft von Claudius darstellt.
Es ist eine Überlegung wert:
* Hamlet selbst: Hamlet ist ein komplexer und introspektiver Charakter. Er kämpft mit der Loyalität gegenüber sich selbst, seinem Vater und seinem Land. Seine Handlungen basieren oft auf einem Pflichtgefühl, aber er ist auch zutiefst konfliktreich und unsicher.
* Der Geist: Das Motiv des Geistes besteht darin, seinen Tod zu rächen, aber es ist unklar, ob seine Wünsche mit Hamlets wahren Interessen übereinstimmen.
Letztendlich ist die Frage der Loyalität bei Hamlet eine Frage der Interpretation. Das Stück erkundet die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Grauzonen zwischen Loyalität und Selbsterhaltung.