1. Schwerpunkt auf Primärquellen: Ranke ist berühmt für sein Motto „wie es eigentlich gewesen ist“. Er glaubte, dass Historiker nach Objektivität streben sollten, indem sie sich bei der Rekonstruktion der Vergangenheit auf Primärquellen – Originaldokumente, Briefe, Tagebücher und Augenzeugenberichte – stützen sollten. Er legte Wert auf eine sorgfältige Recherche und kritische Analyse dieser Quellen und entfernte sich von der Abhängigkeit von Sekundärberichten und historischen Erzählungen, die zu seiner Zeit vorherrschend waren.
2. Wissenschaftlicher Zugang zur Geschichte: Ranke brachte einen wissenschaftlichen Ansatz in die Geschichte ein und betonte die Bedeutung von Beweisen, Analysen und logischem Denken. Er betrachtete die Geschichte als ein eigenständiges Studiengebiet mit eigenen Methoden und strengen Beweisstandards. Dieser Ansatz trug dazu bei, die Geschichte von einem literarischen oder philosophischen Unterfangen zu einer strengeren akademischen Disziplin zu machen.
3. Schwerpunkt politische Geschichte: Rankes Werk konzentrierte sich vor allem auf die politische Geschichte, insbesondere die Geschichte der europäischen Staaten. Sein Ziel war es, die politischen Dynamiken, Machtkämpfe und internationalen Beziehungen der Vergangenheit zu verstehen. Seine umfangreichen Forschungen zur Reformation und der italienischen Renaissance lieferten reichhaltige Einblicke in diese Epochen und legten den Grundstein für zukünftige Forschungen.
4. Die „Rankeanische Schule“: Rankes Einfluss war so bedeutend, dass er eine „Schule“ historischen Denkens gründete. Seine als „Rankeaner“ bekannten Schüler und Anhänger übernahmen seine Methoden und verbreiteten seine Ideen in ganz Europa. Sie trugen zur Entwicklung historischer Studien in verschiedenen Ländern bei und prägten die Landschaft der historischen Forschung.
5. Bedeutung des Kontexts: Ranke betonte, wie wichtig es sei, historische Ereignisse in ihrem spezifischen Kontext zu verstehen. Er glaubte, dass Ereignisse nicht nach modernen Maßstäben oder Werten beurteilt werden sollten, sondern im Rahmen ihrer Zeit analysiert werden sollten. Dieser Ansatz trug dazu bei, Anachronismen zu vermeiden und ein tieferes Verständnis der Vergangenheit zu fördern.
6. Vermächtnis: Rankes Erbe ist immens. Sein Schwerpunkt auf Primärquellen, wissenschaftlichen Methoden und Kontextverständnis ist auch heute noch ein Eckpfeiler der historischen Forschung. Seine Arbeit hat Generationen von Historikern beeinflusst und wesentlich zur Entwicklung der Disziplin beigetragen.
Während Rankes Ansatz wegen seiner Konzentration auf die politische Geschichte und seines Potenzials für Eurozentrismus kritisiert wurde, sind seine Beiträge auf dem Gebiet der Geschichte unbestreitbar. Er gilt als eine grundlegende Persönlichkeit in der Entwicklung der modernen Geschichtsschreibung und sein Werk inspiriert und informiert weiterhin Historiker auf der ganzen Welt.