Die Ursprünge des Sprechchors lassen sich bis ins antike Griechenland zurückverfolgen, wo das Sprechen im Chor ein herausragendes Merkmal religiöser Zeremonien, Theateraufführungen und öffentlicher Versammlungen war. Im 5. Jahrhundert v. Chr. führte der griechische Dichter und Dramatiker Aischylos in seinen Stücken eine Form des Sprechchors ein, den „Chor“, der der Kommentierung des Geschehens und der emotionalen Tiefe diente.
Im Mittelalter wurde der Sprechchor in Europa bei religiösen Zeremonien und liturgischen Dramen eingesetzt. In der Renaissance wurde es als künstlerische Ausdrucksform wiederbelebt, insbesondere in Italien, wo es als „Madrigale“ bekannt war. Diese polyphonen Chorwerke verbanden Musik und Poesie, oft mit dramatischen Gesten und Bewegungen.
Im 19. Jahrhundert erlebte der Sprechchor in Europa und den Vereinigten Staaten ein wiederauflebendes Interesse. Bemerkenswerte Persönlichkeiten in der Entwicklung des modernen Sprechchors sind der französische Dichter und Dramatiker Paul Claudel, der russische Dichter und Schauspieler Wsewolod Meyerhold und die amerikanische Dichterin und Pädagogin Edith Sitwell.
Claudels „Partage de Midi“ (1906) war eines der ersten Stücke, das den Sprechchor umfassend einbezog, was sein Potenzial für dramatischen und poetischen Ausdruck demonstrierte. Meyerhold entwickelte die Biomechanik, ein System des körperlichen Trainings für Schauspieler, bei dem der Einsatz von Stimme und Bewegung bei Theateraufführungen im Vordergrund stand.
Sitwell machte zusammen mit ihren Brüdern Osbert und Sacheverell den Redenchor in England durch ihre Gedichtlesungen und Aufführungen populär. Sie kombinierten rhythmische Sprache, Soundeffekte und innovative Inszenierungstechniken, um multisensorische Erlebnisse für ihr Publikum zu schaffen.
Im 20. Jahrhundert wurde der Sprechchor in verschiedenen Ländern weltweit, darunter den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Südafrika und Japan, zu einer wichtigen Form des künstlerischen Ausdrucks. Es wurde als Instrument für politischen Aktivismus, sozialen Wandel und künstlerische Experimente eingesetzt, insbesondere während der Bürgerrechtsbewegung und der gegenkulturellen Bewegungen der 1960er Jahre.
Heutzutage wird Sprechchor weiterhin in verschiedenen Kontexten praktiziert und aufgeführt, von Bildungseinrichtungen und Gemeinschaftstheatergruppen bis hin zu professionellen Ensembles für darstellende Künste. Es bleibt ein wirkungsvolles Medium zur Übermittlung poetischer und politischer Botschaften, zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und zur Förderung künstlerischer Kreativität.