1. Realismus vs. Abstraktion:
- Naturalistisches Drama: Ziel ist es, eine realistische und lebensechte Darstellung alltäglicher Ereignisse und Charaktere zu präsentieren. Es strebt nach Genauigkeit bei der Darstellung von Dialogen, Umgebung und Verhalten und spiegelt häufig die sozialen und kulturellen Normen der Zeit wider.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Lehnt Realismus ab und setzt stattdessen auf Abstraktion, Symbolik und nicht-traditionelle Erzähltechniken. Dabei wird oft von der Nachahmung des wirklichen Lebens abgewichen, um ein gesteigertes Theatererlebnis zu schaffen.
2. Handlung und Struktur:
- Naturalistisches Drama: Folgt typischerweise einer linearen Handlungsstruktur mit einer klaren Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die Ereignisse und Konflikte werden in einer logischen Abfolge dargestellt, wobei der Fokus häufig auf den psychologischen Motivationen und zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere liegt.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Kann fragmentierte oder nichtlineare Handlungsstrukturen verwenden und traditionelle Vorstellungen von Zeit, Ursache und Wirkung in Frage stellen. Der Fokus liegt weniger auf externen Ereignissen als vielmehr auf der Erforschung von Themen, Emotionen und abstrakten Konzepten.
3. Charakterisierung:
- Naturalistisches Drama: Charaktere sind normalerweise gut entwickelt und psychologisch realistisch. Es sind Individuen mit klaren Motivationen, Wünschen und Konflikten, die die Geschichte vorantreiben.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Charaktere können eher symbolische, archetypische oder sogar fragmentierte Darstellungen von Ideen oder Emotionen als vollständig ausgestaltete Individuen sein.
4. Dialog und Sprache:
- Naturalistisches Drama: Der Dialog ist in der Regel umgangssprachlich und gibt die Sprachmuster und Akzente der Charaktere auf realistische Weise wieder.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Der Dialog kann poetisch, elliptisch oder unsinnig sein und sich von den Konventionen der Alltagssprache lösen.
5. Einstellung:
- Naturalistisches Drama: Die Schauplätze sind in der Regel realistisch und spezifisch und bieten einen Hintergrund, der den sozialen und kulturellen Kontext des Stücks widerspiegelt.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Die Einstellungen können minimalistisch, symbolisch oder sogar nicht vorhanden sein, was eine fließendere Interpretation des Raums ermöglicht.
6. Theaterkonventionen:
- Naturalistisches Drama: Hält sich an traditionelle Theaterkonventionen wie die vierte Wand, die Schauspieler und Publikum trennt.
- Abstraktes (nicht naturalistisches) Drama: Brecht oft von traditionellen Konventionen und theatralischem Realismus. Es können Techniken wie Meta-Theater, Publikumsinteraktion und surreale Bilder eingesetzt werden, um ein unkonventionelleres und immersiveres Erlebnis zu schaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das naturalistische Drama eine getreue Darstellung der Realität anstrebt, während das abstrakte Drama das Unkonventionelle, Symbolische und Experimentelle umfasst, um komplexe Ideen und Theatererlebnisse zu vermitteln. Beide Ansätze bieten unterschiedliche künstlerische Perspektiven und haben einige der bedeutendsten Werke der Theaterwelt hervorgebracht.