Übereinstimmende Art des Verbrechens: Einige mögen argumentieren, dass die Strafen durchaus zur Art ihrer Verbrechen passen. Ödipus beging unwissentlich Inzest, indem er seine Mutter heiratete, und Jokaste ließ sich unwissentlich ebenfalls auf diese verbotene Verbindung ein. Ihre Handlungen verstießen nicht nur gegen gesellschaftliche Normen, sondern verärgerten auch die Götter und brachten Unheil über Theben. Die anschließenden Strafen, die sie erleiden, darunter selbstverschuldete Blindheit für Ödipus und Selbstmord für Jocasta, könnten als angemessene Vergeltung für die schweren Missetaten angesehen werden, die sie unwissentlich begangen haben.
Übermäßige Bestrafung: Andere könnten argumentieren, dass die Strafen übertrieben seien, wenn man bedenkt, dass die Protagonisten handelten, ohne sich ihres Fehlverhaltens vollständig bewusst zu sein. Das Stück betont stark das Schicksal und das tragische Schicksal, das die Handlungen der Charaktere bestimmt, was darauf hindeutet, dass sie größtenteils Opfer von Umständen waren, die außerhalb ihrer Kontrolle lagen. Insbesondere Ödipus zeigt Reue und Schuldgefühle und erkennt letztendlich seine Rolle bei den tragischen Ereignissen an. Einige könnten daher argumentieren, dass die Strafen zu hart und in keinem Verhältnis zum Grad der Absicht und des Wissens stehen, die damit verbunden sind.
Katharsis und moralische Lehren: In griechischen Tragödien herrschte oft ein Gefühl der Katharsis, bei dem das Publikum eine Reinigung seiner Gefühle erlebte, indem es Zeuge des Untergangs tragischer Helden wurde. In diesem Zusammenhang können die Strafen als notwendig für die moralischen Lehren der Erzählung und die Auseinandersetzung mit Themen wie Hybris, Schicksal und den Konsequenzen des eigenen Handelns angesehen werden. Das Stück legt nahe, dass selbst die besten Individuen extremes Leid erleiden können und dass es von entscheidender Bedeutung ist, die Grenzen des menschlichen Wissens und der menschlichen Kontrolle anzuerkennen.
Interpretation und moderne Sensibilitäten: Die Wahrnehmung, ob die Strafen zu den Verbrechen passen, könnte auch durch moderne Sensibilitäten und kulturelle Veränderungen in unserem Verständnis von Sünde, Schuld und individueller Verantwortung beeinflusst werden. Einige zeitgenössische Interpretationen betonen möglicherweise Empathie, Vergebung und Verständnis für die Fehler der Charaktere, was zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Strafen führen kann.
Letztendlich ist die „Passung“ zwischen Verbrechen und Strafe in „Oedipus Rex“ eine Frage der Interpretation und kann aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden. Die Erforschung komplexer menschlicher Emotionen, tragischer Umstände und der Rolle des Schicksals regt zu einer tieferen Reflexion über Fragen der Gerechtigkeit, Moral und der Natur des menschlichen Leidens an.