In der Poetik des Aristoteles argumentiert er, dass der Protagonist einer Tragödie ein „Mann sein sollte, der nicht besonders gut und gerecht ist, dessen Unglück jedoch nicht durch Laster oder Verderbtheit verursacht wird, sondern durch einen Fehler oder eine Gebrechlichkeit.“ Das bedeutet, dass der Held kein perfekter Mensch sein sollte, sondern einige Fehler oder Schwächen aufweisen sollte. Diese Mängel sind an sich nicht unbedingt schlimm, können aber zum Untergang des Helden führen, wenn sie nicht richtig behandelt werden.
Zum Beispiel ist in der Tragödie von Ödipus Rex der Protagonist Ödipus ein guter und gerechter Mann. Allerdings hat er auch einen Fehler:Er ist zu schnell wütend und trifft vorschnelle Entscheidungen. Dieser Fehler führt dazu, dass er seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet und dabei unwissentlich die Verbrechen des Vatermords und des Inzests begeht. Der Untergang von Ödipus ist nicht nur das Ergebnis seiner Fehler, sondern auch das Ergebnis der Umstände, in denen er sich befindet.
Das Gleiche gilt für andere tragische Helden wie Hamlet, Othello und Macbeth. Jeder dieser Helden hat Fehler oder Schwächen, die zu seinem Untergang beitragen, aber es sind auch ihre Interaktionen mit der Welt um sie herum, die letztendlich ihr Schicksal besiegeln.
Deshalb sind der Untergang und die Zerstörung eines Helden in einer Tragödie nicht in erster Linie das Ergebnis seines tragischen Charakters. Vielmehr ist es die Interaktion des Helden mit der Welt um ihn herum und die Entscheidungen, die er als Reaktion auf diese Umstände trifft, die letztendlich zu seinem tragischen Schicksal führen.