Mary Shelleys Frankenstein ist ein Roman, der tief im intellektuellen und sozialen Klima des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verwurzelt ist. Um den Hintergrund zu verstehen, müssen wir mehrere Schlüsseleinflüsse untersuchen:
1. Die romantische Bewegung:
* Shelley war Teil der romantischen Bewegung, die Vorstellungskraft, Emotionen und die Kraft der Natur betonte. Dies spiegelt sich in der Gothic-Atmosphäre des Romans, seiner Auseinandersetzung mit starken Emotionen wie Ehrgeiz und Verzweiflung und seiner Darstellung der natürlichen Welt als sowohl schön als auch erschreckend wider.
* Die Romantik stellte auch den Rationalismus der Aufklärung in Frage und verwies auf die potenziellen Gefahren unkontrollierten intellektuellen Ehrgeizes. Frankensteins wissenschaftlicher Ehrgeiz, der nicht durch ethische Erwägungen kontrolliert wird, spiegelt diese romantische Kritik wider.
2. Wissenschaftliche Fortschritte:
* Im 18. Jahrhundert gab es bedeutende Fortschritte in der Wissenschaft, insbesondere auf dem Gebiet der Elektrizität. Dies löste Spekulationen über die Möglichkeit der Wiederbelebung toter Materie aus, ein Konzept, das im Roman untersucht wird.
* Der Roman spiegelt die Angst vor dem wissenschaftlichen Fortschritt wider, insbesondere in den Händen derjenigen, denen es an moralischem Kompass mangelt.
3. Die Aufklärung:
* Die Aufklärung betonte Vernunft und Fortschritt, führte aber auch zu einem wachsenden Gefühl menschlicher Hybris und der Möglichkeit zerstörerischer Konsequenzen.
* Frankenstein kann als warnende Geschichte über die Gefahren unkontrollierten Ehrgeizes und die Notwendigkeit ethischer Überlegungen bei wissenschaftlichen Aktivitäten angesehen werden.
4. Persönliche Einflüsse:
* Mary Shelleys eigene Lebenserfahrungen beeinflussten den Roman. Der Verlust ihrer Mutter während der Geburt und der Tod ihres ersten Kindes weckten ihr Interesse an Themen wie Sterblichkeit und dem Verlust geliebter Menschen.
* Ihre Beziehung zu Percy Shelley, einem romantischen Dichter, der für seine radikalen Ideen bekannt ist, prägte auch ihr Denken über die Natur der Schöpfung und die Verantwortung des Schöpfers.
5. Das „Gothic“-Genre:
* Frankenstein orientiert sich stark am Gothic-Genre mit seinem Schwerpunkt auf düsteren, mysteriösen Schauplätzen, übernatürlichen Elementen und psychologischer Spannung. Dieses Genre war im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert beliebt und spiegelte Ängste vor dem Unbekannten und den Grenzen des menschlichen Verständnisses wider.
Fazit:
Frankenstein ist ein komplexer und vielschichtiger Roman, der die intellektuellen und kulturellen Ängste seiner Zeit widerspiegelt. Es erforscht Themen wie Schöpfung, Verantwortung, die Gefahren des Ehrgeizes und das Potenzial für Gutes und Böses in der Menschheit. Seine anhaltende Popularität beruht auf seiner Fähigkeit, zeitlose menschliche Belange anzusprechen und auf seiner eindringlichen Erkundung der Schattenseiten des wissenschaftlichen Fortschritts.