1. Hybris und fataler Fehler: Der fatale Fehler von Brutus liegt in seinem übertriebenen Idealismus, der zu seinem Untergang führt. Er glaubt, dass seine Absichten rein sind und dass die Beseitigung Caesars für das Wohl Roms notwendig ist. Sein Idealismus macht ihn jedoch blind für die möglichen Konsequenzen seines Handelns und die unvorhergesehenen Ereignisse, die sich ereignen.
2. Charakterkomplexität: Brutus ist ein komplexer und gut entwickelter Charakter. Er ist nicht rein tugendhaft oder bösartig, sondern vielmehr ein Mensch mit widersprüchlichen Motivationen und Emotionen. Sein Kampf zwischen seiner Loyalität gegenüber Cäsar, seiner Liebe zu Rom und seinem Pflichtbewusstsein zeigt seinen inneren Aufruhr.
3. Untergang und Umkehr: Brutus‘ Entscheidung, sich der Verschwörung gegen Cäsar anzuschließen, führt letztlich zu seinem Untergang. Nach dem Attentat erkennt er, dass er die Macht der rednerischen Fähigkeiten des Mark Anton und die Liebe des Volkes zu Cäsar unterschätzt hat. Er ist gezwungen, sich mit den unbeabsichtigten Folgen seines Handelns auseinanderzusetzen, die letztendlich zu seiner Niederlage und seinem Tod führen.
4. Anerkennung und Katharsis: Brutus erlangt ein tiefes Verständnis für seine Fehler und erlebt vor seinem Tod einen Moment der Selbstverwirklichung. Er gibt zu, dass sein Handeln letztendlich genau der Sache geschadet hat, für die er gekämpft hat. Diese Anerkennung löst beim Publikum ein Gefühl des Mitleids und der Katharsis aus.
5. Edle Absichten: Trotz seines tragischen Fehlers wird Brutus von edlen Absichten getrieben. Er ist fest davon überzeugt, dass sein Handeln notwendig ist, um die Römische Republik zu bewahren und zu verhindern, dass Caesar zum Tyrannen wird. Seine Selbstlosigkeit und Hingabe an seine Ideale machen ihn zu einem sympathischen Charakter.
6. Emotionale Wirkung: Der tragische Sturz von Brutus löst beim Publikum eine starke emotionale Reaktion aus. Seine Kämpfe, Entscheidungen und sein letztendliches Scheitern erzeugen ein Gefühl von Mitleid und Angst, Elemente, die für den Archetyp des tragischen Helden von zentraler Bedeutung sind.
Obwohl Brutus nicht der zentrale Protagonist des Stücks ist, machen ihn sein Charakterverlauf, seine Fehler und sein tragisches Schicksal zu einem starken Anwärter auf die Rolle des tragischen Helden in „Julius Caesar“.